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Der 3. Memminger Lymphtag

Nach zuletzt 2012 stand am vergangenen Montag wieder eine Veranstaltung rund um das Thema Lymphversorgung im Hause Gerstberger an - Der 3. Memminger Lymphtag (Bildergalerie).

In Deutschland leiden etwa 3,5 % an chronischen Lymphödemen. Etwa 9,7 % der Frauen haben ein Lipödem, eine krankhafte Vermehrung von Fettgewebe. Beide Krankheiten können schwere Folgeerkrankungen nach sich ziehen und haben eine verstärkte Tendenz zur Verschlimmerung. Dennoch erhalten rund 70 Prozent der Betroffenen nicht die notwendige Behandlung, die benötigt wird. Warum das so ist, liegt an der noch immer weit verbreiteten Unkenntnis dieser Krankheitsbilder – nicht nur bei Patienten, sondern auch bei Ärzten, Krankenkassen und Pflegepersonal.

Betroffene und Interessierte konnten sich vormittags rundum informieren lassen. Die Gerstberger Akademie öffnete Ihre Pforten und bot Vorträge von Referenten aus dem jeweiligen Fachgebiet. Geschäftsführerin Ursula Winkler eröffnete mit einer Ansprache die Veranstaltung und referierte selbst zum Thema „Wissenswertes rund um die Kompressionsversorgung“, was auch gleichzeitig Ihr persönliches Kerngebiet ist. Den Anfang machte aber Prof. Dr. med. Christoph Höhnke vom Klinikum Memmingen. Zum Thema „Das Lipödem – konservative und operative Therapiemöglichkeiten“ erhielten die Teilnehmer einen interessanten Einblick in die Behandlungsmethoden von Lipödemen, abgerundet von wichtigen Tipps zum Umgang mit dem Krankheitsbild. Markus Becker, Physiotherapeut im Vitalcenter, brachte alle Teilnehmer wieder in Schwung und zeigte auf, dass auch kleine Lockerungsübungen bereits ausreichen, um etwas für die Gesundheit zu tun. Sein Tipp: Kaugummi kauen. Jeder bekam einen Kaugummi. Und dann sollten alle mal kräftig drauf los kauen. Viele schauten sich fragend an. Die Erklärung folgte umgehend. „Der erste Griff bei der Lymphtherapie ist immer am Hals. Dort befindet sich die Schaltzentrale. Durch das Kauen von Kaugummi regt man diese Zentrale ebenfalls an, so einfach.“ Frau Dr. med. Knestele folgte mit Ihrem Vortrag über „Erste Hilfe für Lymphpatienten – auf was muss ich bei Verletzungen achten.“ Der Inhalt und Tipps Ihrerseits für alle Anwesenden von höchstem Nutzen und unter Umständen lebenswichtig. Sie verstand es das Publikum zu fesseln und erzählte aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz. Der Umgang mit Wunden und Verletzungen war für einige im Raum sichtlich neu. Alte Haushaltsmythen wurden aufgeklärt und korrigiert. „Puder hat auf offenen Wunden nichts zu suchen!“ oder „Wenn die Wunde nicht von selbst trocknet oder doch etwas tiefer ist, gehen Sie zum Arzt!“ Wer hätte das gedacht – Heil-Salbe sollte auch nicht auf offene Stelle aufgetragen werden. Diese Info ließ den einen oder anderen Teilnehmer ein staunendes „Ahh“ entlocken. Alles in allem ein sehr hoher Nutzwert vermittelt von einer höchst kompetenten Referentin.

In der Filiale des Vitalcenters boten die Hersteller Juzo, Medi und Jobst mit ihren Ständen ein umfassendes Angebot an Strümpfen, Bandagen und auch das ein oder andere kleine Werbegeschenk neben der ausführlichen Beratung für alle Besucher an diesem Tag. Auch für unsere Fachteilnehmer am Nachmittag wurde ein perfekter Rahmen geschaffen. Eine gute Mischung aus Fachvorträgen und Workshops war für alle Teilnehmer ein optimales Update und bot einen Einblick in aktuelle Entwicklungen in einem so wichtigen aber leider viel zu oft unterschätzten Bereich. Das Thema im ersten Workshop war das Lymphtaping mit Kinesio-Tapes zur Unterstützung der Entstauungstherapie. Die verschiedenen Anlagetechniken der Tapes wurden von Peter Gerstlauer, Fachlehrer für manuelle Lymphdrainage und Autor zweier Fachbücher zum Thema, eindrucksvoll demonstriert und praxisnah vermittelt. Im parallel laufenden Workshop wurden lymphologische Kompressionsverbände für das Bein und den Arm trainiert. Dazu erhielten die Teilnehmer wichtige Utensilien wie Kurzzug- und Polsterbinden und legten sich gegenseitig Kompressionsverbände unter Anleitung von einem weiteren Fachlehrer für Manuelle Lymphdrainage und Inhaber einer Lymphologischen Schwerpunktpraxis in Waltenhofen, Herrn Bromberger und seinem Mitarbeiter, ebenfalls ein erfahrerner Lymphtherapeut, Herrn Schätzl, an. Beide Kurse wurden jeweils mit einem Vortrag als theoretische Vorstellung und Zusammenfassung des Themas eingeleitet. Anschließend ging man in die Praxis über und konnte neue Informationen sammeln und Erfahrungen austauschen. Am Ende bekamen alle Teilnehmer ihr Zertifikat und wurden persönlich von Geschäftsführerin Ursula Winkler und ihrem Team verabschiedet.

Mit dem 3. Memminger Lymphtag wurde erfolgreich ein Ausrufezeichen gesetzt, um auf den Umgang mit Lymphleiden aufmerksam zu machen und Betroffenen eine Plattform zu bieten sich umfassend zu informieren und die perfekte Beratung von Fachleuten und Herstellern zu bekommen.